No. 02 Perfekte Teams

Herzlich willkommen zu unserem zweiten Podcast – Perfekte Teams – by comon.de . Es geht heute darum, wie Du Teamerfolg gezielt entwickeln kannst.

#RÜCKBLICK #GRUNDSÄTZLICHES

Ich hoffe, der erste Podcast – Vertrauen & Manipulation – von Robin und Hartwig hat Dich neugierig gemacht. Unser Ziel war es, zu veranschaulichen, dass die Management-Welt keine 1+1=2-Welt ist. Management ist keine exakte Wissenschaft, auch wenn sie den Eindruck zu vermitteln versucht. Das Idealbild der Wirtschaftswissenschaften, als einem Teil der ManagementWelt, war über Jahrzehnte der HomoOeconomicus, eine Illusion. Menschen agieren in der Regel nicht als Nutzen-maximierende Egoisten.  Sie agieren häufig emotional. Eigennützig oder uneigennützig. In Massen verlieren Sie häufig ihre Individualität. Außer den klassischen HardSkillTools sind also SoftSkillTools erforderlich, um zu verstehen, wie Menschen „ticken“, wie Gruppen von Menschen agieren, im Unternehmen, im Unternehmensumfeld, beeinflusst von wirtschaftlichen- und politischen Entscheidungen. Rational und/ oder affektiv? In kontinuierlich oder sprunghaft sich änderndem Umfeld. Welche Rolle spielen neben messbaren Größen wie Kosten, Hoffnungen und Ängste bei Deinen Entscheidungen als Manager*in. Wir reden also über Psychologie, Soziologie, Entscheidungstheorie, gesunden Menschenverstand etc. Unser Konzept für unsere Podcasts ist es, viele verschiedene Ansätze vorzustellen, um die berechenbar und gefühlt beste Managemententscheidung zu ermöglichen.

Wir werden wöchentlich mit Euch eintauchen in die wunderbare Welt des #Managements und spannende Themen gut verständlich und kurzweilig diskutieren. Nichts von der Stange. Kein Schmalspur-Management, sondern Gedanken, die Dich anregen sollen, Dinge so zu tun, wie Du das für richtig hältst. Mit einem tiefen (auch gefühlten) Verständnis. Mit dem Blick über den Tellerrand des Mainstream-Managements hinaus. Spielerisch Perspektiven, Methoden wechselnd. Daraus resultierend, mit zunehmender Gelassenheit. Das soll es als Intro sein.

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#UNSERTHEMAHEUTE?

Grundlage unseres Podcasts heute sind die spannenden Untersuchungen Alex „Sandy“ Pentlands (1). Alex ist Physiker am berühmten MassachusettsInstitutOfTechnology (MIT). Er leitet den Bereich HumanDynamics. Sandy und sein Team beschäftigten sich experimentell damit, welche Schlüsselfaktoren maßgeblich für den Erfolg von Teams sind. Es ist klar, dass Einzelne in Unternehmen immer seltener maßgeblich für Erfolge verantwortlich sind, zumal, wenn es um komplexe Vorhaben geht. Seit Jahrzehnten spielen Teams deshalb eine immer wichtigere Rolle.

Pentland und sein Team waren die ersten, die seit über 50 Jahren Schlüsselfaktoren für den Teamerfolg experimentell bestimmt haben. Davor waren es qualitative, überwiegend von Psychologen und Pädagogen entwickelte Modelle ( BruceTuckman 1965 (2) , MeredithBelbin 70er Jahre, DaveFrancis, DonYoung 1989, MichaelAWest 1994, ArminPoggendorf 1994-2008 u.v.a. )

Bislang gab es nur Vermutungen darüber, warum in manchen Teams die Chemie stimmte und in anderen nicht. Pentlands Team hat nun genau messen können, wie stark der Teamerfolg von Kommunikationsmustern abhängt.

ANFÄNGE DER KOMMUNIKATION: DIE SIGNALE DER URMENSCHEN

Dass die Art der Kommunikation viel wichtiger ist als der Inhalt, klingt erstaunlich. Du kennst vielleicht die 55-38-7 Regel von AlbertMehrabian nach der Inhalte nur zu 7 % zum Erfolg von Präsentationen vor Gruppen beitragen (3). Evolutionsbiologisch ist die Zahl verständlicher. Sprache ist eine relativ junge Entwicklung, die sehr wahrscheinlich auf älteren „Signalen“ aufbaute, mit denen unsere Vorfahren Interessen, Emotionen und Dominanz vermitteln wollten. Diese Urformen beeinflussen auch heute noch maßgeblich unsere Kommunikation, die Art, wie wir entscheiden und wie wir uns mit anderen abstimmen. Versuche bitte mal ein Gespräch nur mit verschiedenen Brummlauten zu gestalten. Erstaunlich, wie Babys ihre Eltern mit wenigen Lauten sehr wirksam steuern können :-).

WENIGER KOMMUNIKATION = WENIGER ZU ESSEN?

Menschen hatten vermutlich schon Probleme, als es noch keine Sprache gab. Vielleich saßen sie (als Team) um ein Feuer herum, teilten Informationen und vermittelten ihre Zustimmung oder Ablehnung durch Gesten oder Laute. Wenn einige von ihnen nichts beisteuerten oder kein Interesse hatten, bedeutete das unter Umständen, aufgrund weniger Informationen, schlechtere Entscheidungen zu fällen und unter Umständen Hunger zu leiden. Soweit die Hypothese, die Ausgangsbehauptung, Pentlands für seine Experimente.

KLEINERE GERÄTE – GRÖßERE ERKENNTNISSE

Manager*innen habe oft Schwierigkeiten, die Dynamik von Teams zu erspüren. Pentland und sein Team am MIT haben kleine elektronische Geräte entwickelt, die soziometrische Daten, wie Blickrichtung, Tonfall, Körpersprache und Häufigkeit der Kontakte aufzeichneten und Aufschluss über typische Kommunikationsmuster geben. Diese scheinen wichtiger zu sein als Kompetenzen(4) , Persönlichkeit (5) oder Intelligenz.

Die von Pentland et. al. gemessenen Kommunikationsmuster setzen sich aus drei Faktoren zusammen:

DREI SCHLÜSSEL ZUM TEAMERFOLG

  • „Energie“ beschreibt die Intensität, mit der Teilnehmer sich in die Teamarbeit einbringen
  • „Engagement“ bezeichnet die Intensität gerichteter Kommunikation mit anderen Teammitgliedern
  • „Exploration“ bedeutet den Austausch eines Teams mit anderen

Anhand graphischer Darstellungen läßt sich der aktuelle Zustand eines Teams diagnostizieren und es lassen sich geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Kommunikationsmuster veranlassen.

FAZIT Pentland ist sicher, dass Telearbeit und multikulturelle Teams, die in der globalen Wirtschaft so wichtig sind, deutlich verbessert werden können. Wesentlich Ansätze sind:

  • Ausgewogenheit bzgl. Energie und Engagement sind im Team wichtiger als hohe Werte einzelner Teammitglieder. Teammitglieder bringen sich gleichermaßen ein.
    Dabei spielen informelle Kontakte eine zentrale Rolle mit z.B. kollektiven Kaffeepausen, an denen möglichst viele direkt oder indirekt zusammenarbeitende teilnehmen. Also viele Möglichkeiten zunehmender Interaktionen, um Vertrauen aufzubauen.
  • Einen charismatischen Mittler, eine natürliche Führungspersönlichkeit, die Rahmenbedingungen schafft, um Mitarbeiter zusammen zu führen.
  • Stärkung starker direkter persönlicher Kommunikation. Reduktion technischer Kommunikation (E-Mails, Telkos, etc.)
  • Nutzung der Analyseergebnisse zu den drei Schlüsselfaktoren zur Selbstreflexion durch die Teams.

  1. MIT MEDIA LAB PeopleHBM Mai 2012
  2. Bruce Tuckman 1965 FORMING
  3. 55-38-7-Regel nach Mehrabian
  4. s. Dr. Meredith Belbin
  5. NEO BIG FIVE TEST